Lockdown auf der Ferienfinca kann teuer werden

Was verlockend klingt, hat unter Umständen steuerliche Konsequenzen. Denn Spanien definiert das Thema „Ansässigkeit“ anders als Deutschland

Die Arbeit vom Homeoffice in Spanien aus kann zum Problem werden / Gtres
Die Arbeit vom Homeoffice in Spanien aus kann zum Problem werden / Gtres
16 November 2020, European Accounting

Homeoffice am Pool statt in der engen Stadtwohnung, ein wenig mediterraner Sonnenschein statt trübes mitteleuropäisches Herbstwetter: Der Gedanke, die kommenden Wochen und womöglich Monate des Lockdowns im spanischen Zweitwohnsitz statt in der Heimat zu verbringen, ist verlockend.

Doch Vorsicht: dieser Schritt will gut geplant sein. Denn wer nicht aufpasst, kann in Spanien unbemerkt ansässig werden – und damit steuerpflichtig. Denn Spanien definiert Ansässigkeit über die tatsächliche Aufenthaltsdauer – auch ohne eine Anmeldung bei den Behörden. Das heißt: Wer mehr als die Hälfte des Kalenderjahres (oder 183 Tage) im Land verbringt, ist für das gesamte Welteinkommen des Jahres steuerpflichtig. Denn anders als in Deutschland ist man in Spanien entweder für ein komplettes Jahr steuerpflichtig – oder eben nicht.

Strenge Auslegung der Behörden

Das gilt übrigens auch, wenn man durch einen Lockdown oder Reisebeschränkungen unfreiwillig in Spanien bleibt. Am eigenen Leibe erlebte dies kürzlich ein im Libanon ansässiges Ehepaar. Im Januar war es zu einer dreimonatigen Reise nach Spanien gekommen. Wegen des Alarmzustandes ab 14. März konnte es nicht zurück in die Heimat und überschritt die 183 Tage. Dass die Eheleute in Spanien kein Einkommen hatten, spielte für die Generaldirektion für Steuern keine Rolle: das Paar wurde in Spanien für 2020 vollumfänglich steuerpflichtig.

Wer den Winter in Spanien verbringt, kann aber den Jahreswechsel für sich nutzen: Denn bei der Berechnung der 183 Tage wird strikt pro Kalenderjahr gerechnet. Wer also im November nach Spanien kommt und bis März bleibt, für den gelten für 2021 nur die Tage ab dem 1. Januar. Beachtet werden sollte allerdings, dass später im Jahr keine weiteren längeren Aufenthalte folgen, die zu Schwierigkeiten führen könnten. Gleiches sollten jene bedenken, die im Laufe des Jahres bereits längere Zeiträume in Spanien verbracht haben.

Lebensmittelpunkt entscheidet

Die 183-Tage-Regel ist allerdings nicht der einzige Maßstab für die spanischen Steuerbehörden, um eine eventuelle Ansässigkeit nachzuweisen. Wenn Ehepartner in Spanien lebt oder die Kinder hier gar zur Schule gehen, gehen die Behörden davon aus, dass auch der eigene Lebensmittelpunkt sich im Land befindet – sofern nicht das Gegenteil bewiesen wird. Auch wenn der Hauptsitz der wirtschaftlichen Aktivitäten sich in Spanien befindet, gehen die Behörden von Ansässigkeit aus. Die Beweispflicht für das Gegenteil liegt beim Betroffenen.

Im Zweifelsfall empfiehlt sich also eine genaue Buchführung und Dokumentation über alle Reiseaktivitäten innerhalb eines Kalenderjahres. Sollte aufgrund intensiver Reisetätigkeit in keinem der beiden Länder das Limit von 183 Tagen erreicht werden, würden die „sporadischen Abwesenheiten“ (d.h. Reisen in Drittländer) a priori dem Land mit den meisten Aufenthaltstagen zugerechnet. Aus diesem Grund müssen bei einem Szenario von 150 Tagen Aufenthalt in Spanien, 100 Tage in Deutschland und weitere 115 Tage mit Reisen in verschiedene Teile der Welt mehrere Beweise für die steuerliche Ansässigkeit in Deutschland vorgelegt werden.

Bei European Accounting beraten wir Sie gerne zu diesem Thema.

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