Vermögensteuerpflichtig in Spanien – obwohl man da gar nicht wohnt (I)

Spanien ist eines der wenigen Länder der Welt, die eine Vermögensteuer erheben. Auch wer hier einen Zweitwohnsitz erwirbt, könnte davon betroffen sein

Vermögensteuer in Spanien
Gtres
18 Januar 2021, European Accounting

Das Gesetz kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Zum ersten Januar 2008 wurde die Vermögensteuer in Spanien ausgesetzt. Die Abgabe, eingeführt 1977 während des Übergangs Spaniens in die Demokratie, wurde als nicht mehr zeitgemäß empfunden.  Spanien war eines der wenigen Länder auf der Welt, die noch so eine Abgabe erhoben.

Dann aber brach die Krise über die spanische Wirtschaft ein und der Staat brauchte Geld. Die Folge: Die Vermögensteuer wurde im Jahr 2011 wieder aktiviert. Die konservative Opposition versprach damals, die Steuer bei Erlangen der Regierungsmehrheit wieder abzuschaffen. Doch als es 2013 soweit war, passierte nichts. Die Steuer blieb und bescherte dem Staatshaushalt allein im Jahr 2018 rund 1,1 Milliarden Euro an Einnahmen.

Bis zu einer Million Euro Freibetrag

Wer aber gilt für den spanischen Staat als vermögend genug, um mit dieser Steuer belegt zu werden? Die Vermögensteuer betrifft nur natürliche Personen und fällt auf das Weltvermögen an. Firmen und Gesellschaften sind nicht von ihr betroffen. Jede Person hat einen Freibetrag von 700.000 Euro, zuzüglich 300.000 Euro für die Immobilie des Hauptwohnsitzes. Darlehen und andere Verbindlichkeiten können angerechnet werden.

Die Abgabe einer Erklärung ist verpflichtend, wenn eine Steuerlast entsteht oder aber wenn das Bruttovermögen mehr als zwei Millionen Euro beträgt. Entsteht bei einem Bruttovermögen von über zwei Millionen Euro aufgrund von Verbindlichkeiten oder Freistellungen keine Steuerlast, ist zwar keine Zahlung fällig, aber eine Erklärung.

Die Vermögensteuer betrifft nicht nur jene, die in Spanien fest leben und damit steuerlich ansässig sind. Die Abgabe kann auch Nichtresidenten treffen, die Vermögenswerte in Spanien haben. Allerdings mit einer Einschränkung: Nichtresidenten, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz leben, werden nur für unbewegliches Vermögen steuerpflichtig. Sprich: Immobilien.

Jede Region mit eigener Steuertabelle

An dieser Stelle wird ein anderer Aspekt der Steuer wichtig: Es handelt sich um eine Stichtagssteuer. Maßgeblich ist das Vermögen, das eine Person am 31.12. eines jeden Jahres besitzt.  Zwar hat die spanische Zentralregierung den gesetzlichen Rahmen für die Vermögensteuer geschaffen, jedoch haben die spanischen Regionen (comunidades autónomas) eigene Kompetenzen in dieser Frage und können daher auch eigene Bestimmungen festlegen. Das hat gravierende Folgen. Während auf Mallorca das Vermögen mit einem regionalen Höchstsatz von 3,45 Prozent besteuert werden kann, erlässt die Region Madrid die Steuer kraft einer 100-prozentigen Gutschrift komplett.

Residenten sind an die Steuertabelle der Region gebunden, in der sie gemeldet sind. Nichtresidenten steht seit 2015 frei, ob sie nach der (oftmals günstigeren) staatlichen Tabelle oder jener der Region besteuert werden möchten, in der sie den Großteil ihres steuerpflichtigen spanischen Vermögens haben.

Abschaffung ausgeschlossen

Dass die Vermögensteuer in absehbarer Zeit abgeschafft werden könnte, ist quasi ausgeschlossen, zumal in einer Wirtschaftskrise aufgrund der Corona-Pandemie, wenn der Staat kaum auf Einnahmen verzichten will. Der Trend geht vielmehr in die Gegenrichtung: Mit dem neuen Staatshaushalt werden in der staatlichen Tabelle der Vermögensteuer ab 10,7 Mio. Euro Vermögenswerte 3,5 Prozent fällig statt wie bisher 2,5 Prozent.

Quasi nebenbei zerstörte die Regierung auch die Hoffnung auf eine baldige Abschaffung: Ab sofort wird die Steuer – ausdrücklich eingeführt als temporäre Maßnahme – nicht mehr wie bislang jährlich verlängert, sondern gilt permanent, ohne Notwendigkeit einer Erneuerung.

Überdies droht eine „kalte Steuererhöhung“: In den gesetzgebenden Gremien schwirrt die Idee einer neuen Berechnungsmethode herum. Ein neuer „Marktreferenzwert“ könnte dazu führen, dass der vermögensteuerliche Wert vieler Immobilien schlagartig in die Höhe geht. Auch deshalb sollten sich speziell ausländische Immobilienkäufer dafür interessieren, wie man die Bestie Vermögensteuer bändigen kann.

Bei European Accounting beraten wir Sie gerne zu diesem Thema.

Lesen Sie im zweiten Teil: Wie Sie die Vermögensteuer reduzieren können

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